Monika Wösthoff, Basel, 2006
»Bim Koehler: Farbe und Form - Formen der Farbe«
Bilder der Emotionen und verborgener Gefühle:
 


Henri Matisse, der Künstler, der wie kein anderer mit Farbe und Form umzugehen wusste, wurde in einem Interview gefragt:
„ M. Matisse, warum malen Sie?“
„Natürlich, um die Emotionen, die Gefühle und die Reaktionen meiner Sensibilität in Farbe und Zeichnung umzusetzen. Das kann weder die aufs äusserste perfektionierte Fotografie nicht einmal in Farbe, noch das Kino.“
 
Doch die Farbe erhält ihre volle Ausdruckskraft erst dann, wenn sie voll und ganz der Gefühlsintensität des Künstlers entspricht. – Von Delacroix zu van Gogh und Gaugin bis zu Cézanne kann man diese Rehabilitierung der Farbe, d.h. die Wiedereinsetzung ihrer Gemütsbewegenden Macht verfolgen.
 
Bim Koehler’s Werke sind vom Aufbau klar in einer unterschiedlichen Anzahl von Farbflächen gegliedert und organisiert,  wobei sich die Farbzonen untereinander in spannungsvoller Harmonie bewegen, um dann einen ganz bestimmten Farbklang auszulösen.
 
Die Bildentstehung ist zeit- und arbeitsintensiv. In unzähligen Arbeitsschritten trägt der Künstler Schichten aus Farbe und natürlichem Wachs auf. Das Wachs wird zwischen den einzelnen Farbschichten aufgezogen, um es dann gleichzeitig mit einer scharfen Klinge wieder abzuziehen und zwar so weit, bis sich die fetthaltigen Wachslasuren zusammen mit der Farbe zu einer durchscheinenden Flächeneinheit verbinden. Die Werke können aus bis zu 50-70 Farb- und Wachsschichten bestehen.
 
Um ein Werk abzuschliessen wird auf die letzte Schicht Terpentinöl aufgetragen. Anschliessend wird die Fläche poliert und geglättet. Der letzte Farbauftrag bestimmt den eigentlichen Farbklang des Bildes und wie in der Musik der letzte Ton ein Musikstück harmonisch ausklingen lässt, so ist auch Bim Koehlers Werk vollendet, wenn die letzte Farbschicht harmonisch mit der Idee des Künstlers in Einklang gebracht worden ist.
 
Seit einiger Zeit arbeitet Bim Koehler mit einem konvexen d.h. gewölbten Bildträger.   Durch die sanfte Wölbung entsteht eine Lichtreflexion auf der Oberfläche des Objektes als auch eine gewisse Bewegung, die variiert je nach Lichteinfall und Standort des Betrachters, der durch die Faszination der bewegten Lichtreflexe auf der gewölbten Oberfläche förmlich in Atem gehalten wird.
 
Bim Köhler bringt es auf den Punkt oder besser auf die Fläche, die sich vor allem bei den Bildobjekten gar nicht mehr fassen lässt. Er setzt seine 50 -70 Farbschichten als subjektive Erfahrung verborgener Gefühle. Genau das ist der Grund, warum uns Bim Koehler's Werke packen und mitreissen.    
 
Farben werden über das Licht zu unseren Augen geführt und wir nehmen sie wahr als emotionalen Reiz. Da aber eine Empfindung immer gegenstandslos ist, bestehen die Werke Bim Koehler’s aus  Farben, aus der unsere Empfindungswelt besteht, die in uns Stimmungen auslösen. Die jeweilige Farbe, ihre Sinnlichkeit, ihr Volumen, ihr Pulsieren und ihre Stimmung sind Inhalt und Wirklichkeit dieser Gemälde.
 
So ist Bim Koehler's Kunstwerk zu einem sichtbaren Zeichen des zugrunde liegenden Gefühls geworden. Es ist nichts anderes als die Wiedergabe des Gefühls in einer greifbaren Form und im Augenblick der Rezeption wird die Malerei jetzt zu einer bewussten Aktion des Betrachters, der die körperliche Gegenwart der Farben für sich wahrnimmt und sie emotional verarbeitet.
 
Das Zentrum der Werke von Bim Koehler bildet also die Welt unserer Emotionen und die Freiheit diese Emotionen zu erfahren und zu erleben. Indem wir uns einlassen auf unsere ganz eigene Welt des Gefühls  kommen wir unserer eigenen ganz persönlichen Wahrheit auch ein Stück nähe.
 
Monika Wösthoff, lic. phil. Kunsthistorikern